
In Deutschland wird zunehmend daran gearbeitet, nationale und internationale Standards der hochschuldidaktischen Weiterbildung zu entwickeln und umzusetzen. Das Hochschuldidaktische Netzwerk Mittelhessen orientiert sich an diesen Standards und arbeitet nach Möglichkeit aktiv an der Weiterentwicklung mit (z.B. bei der AHD e.V.). Zugleich erfolgt eine Anpassung gemäß den eigenen Ansprüchen und Anforderungen des Netzwerks der drei mittelhessischen Hochschulen. So ergeben sich zentrale Bildungsziele und ein angestrebtes Kompetenzsspektrum, das die hochschuldidaktische Aus- und Weiterbildung in Mittelhessen abdecken soll. Die modulare Gestaltung des Programms ist daran ausgerichtet. Die zentralen Bildungsziele sind im folgenden angeführt.
Lehren und Lernen: Grundfragen und Probleme didaktischer Herausforderungen sowie die Organisation und Begleitung von Lernprozessen stehen für die Hochschuldidaktik im Mittelpunkt. Neben Präsentations- und Vortragstechniken geht es insbesondere um aktivierende Lehrmethoden und kooperative Lehrformen mit Schwerpunkt auf Aspekten des "Lernens".
Beratung und Prüfung: Zunehmender Teil der Hochschullehre ist ein geregelter und vorgeschriebener Studienverlauf, der durch Leistungsprüfungen abgesteckt ist. Dies erfordert vom Lehrenden eine fundierte Beratungs- und Prüfungskompetenz, die eine gerechte und lernzielorientierte Begleitung der Lernenden erlaubt.
Innovation: Innovationsfähigkeit ist Voraussetzung für eine den Lernenden und Lehrinhalten angepasste Gestaltung des Unterrichts. In der Innovation manifestiert sich gleichzeitig das Potential für Weiterentwicklung hochschuldidaktischer Konzepte und der eigenen Lehrkompetenz, womit Hochschuldidaktik auch einen Beitrag zur Organisationsentwicklung an der Hochschule leistet
Lehrevaluation: Lehrevaluation wird von Staat und Gesellschaft verlangt, dient aber auch der persönlichen Selbsteinschätzung und ist Voraussetzung für eine zielgerichtete individuelle Weiterentwicklung. Evaluationsstrategien und Hintergrundwissen zur Gestaltung von Evaluationen sind notwendig für Qualitätssicherung und Selbstreflexion und dienen letztendlich auch der eigenen Profilierung.
Medienkompetenz: Die erfolgreiche Einbindung neuer Technik und Medien in die Lehre stellt ein weiteres Anforderungsprofil an die professionelle Lehrkompetenz dar. Insbesondere gilt dies für online-gestützte Lehr- und Lernverfahren (e-teaching/e-learning).
Reflexivität: Zur wissenschaftlichen Lehre gehört eine Reflexivität in Bezug auf das Wissenschaftssystem, sowie auf dessen wissenschaftstheoretischen Bedingungen und Probleme. Neben einer Sensibilisierung für die alltagsweltliche Gebundenheit von wissenschaftlichen Fragestellungen und Ergebnissen, bedeutet dies insbesondere bewusste Selbstverortung der Lehrenden im Kontext der Hochschule und im Spannunggsfeld von Lehre, Forschung und Führungsaufgaben.
Chancengleichheit und Konfliktmanagement: Lernerfolg ist nicht nur Ergebnis der Lehrkompetenz, sondern auch durch strukturelle Benachteiligungen und Bevorzugung beeinflusst. Um Benachteiligungen durch Geschlecht, Herkunft oder Behinderung zu vermeiden, ist eine besondere Aufmerksamkeit und Sensibilität der Lehrenden, etwa im Umgang mit Gender- und Diversity-Aspekten gefordert. Grundlagen des Konfliktmanagements und der Mediation tragen zur Bewältigung von im Lehr- und Arbeitsalltag auftretenden Spannungen bei.
Interkulturelle Kompetenz: Vorhandene kulturelle Eigenheiten und Differenzen in der Hochschullehre angemessen zu beachten, ist insbesondere angesichts der Internationalisierung der Hochschule unabdingbar. Hierzu gehören auch fremdsprachliche Kompetenzen.
Fachspezifische Didaktik wird als selbstverständlicher Bestandteil einer Lehrqualifikation verstanden, allerdings können fachspezifische Angebote nicht Teil des zentralen Kursangebots sein. Dies würde angesichts der Fächervielfalt und spezifischen Interessenlagen die Möglichkeiten des HDM bei weitem überschreiten und zudem die fachspezifische Didaktik von ihren lebendigen "Nistplätzen", nämlich den jeweiligen Fachkulturen, entfremden. Das HDM bietet jedoch als "Kommunikationskarussell" organisatorische Unterstützung an und versucht lokale Initiativen zur fachspezifischen Didaktik anzuregen und auch hier einen standortübergreifenden Austausch zu etablieren.